Insolvenz – Wie sag ich’s meinen Mitarbeitern?

Wer offen kommuniziert und den Teamgedanken hochhält, kann auch während einer Insolvenz dafür sorgen, dass die Belegschaft motiviert bleibt.

Fast jeder zweite Bundesbürger fühlt sich bei der Arbeit besonders motiviert, wenn er ein gutes Arbeitsverhältnis zu Kollegen und Vorgesetzten hat. Das ist das Ergebnis einer Studie des Personaldienstleisters Manpowergroup aus dem Jahr 2019. Und in Zeiten von Corona und damit auch in Phasen von Homeoffice, Social Distancing & Co dürfte der Wert der guten Beziehungen für viele noch weiter an Bedeutung gewonnen haben. „Motivation durch Miteinander“ könnte also eine Erfolgsformel lauten. 

Was aber passiert, wenn zu einer globalen Krise eine weitere hinzukommt? Eine, die konkret werden und das Geschäft zum Erliegen bringen kann? Die Insolvenz eines Unternehmens nämlich? Die Motivation der eigenen Mitarbeiter könnte dann schnell auf der Strecke bleiben. Denn mit einem Insolvenzverfahren verbinden viele häufig das Ende der Firma und den Verlust ihres Arbeitsplatzes. Oft ist damit auch die Angst vor einem sozialen Abstieg verknüpft. In einer solchen Phase zählt das Miteinander mehr denn je.

Arbeitgeber sind daher gut beraten, gerade in dieser Zeit den Kontakt zu ihren Mitarbeitern zu pflegen und dabei vor allem offen und ehrlich zu kommunizieren. Wie steht es um die Firma? Was sind deren Zukunftsaussichten? Das alles geht die Mitarbeiter etwas an. Bloß: Zu welchem Zeitpunkt sollte die Belegschaft darüber informiert werden? „So spät wie möglich“, sagt Markus Küthe. „Idealerweise erst dann, wenn der Insolvenzantrag eingereicht wurde.“ Andernfalls bestehe die Gefahr, dass Ängste womöglich unnötig geschürt werden und Mitarbeiter frühzeitig das Unternehmen verlassen. Diesen sogenannten Brain Drain gelte es, so Küthe, unbedingt zu vermeiden. „Aus diesem Grund treten wir als Kanzlei bei ersten Terminen mit Mandanten auch meist inkognito auf und geben uns zum Beispiel bei der Anmeldung am Empfang nicht gleich als „Restrukturierer“ zu erkennen.“

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Sobald sich die Krise aber verdichtet, gilt es tätig zu werden – sprich: mit den Mitarbeitern ins Gespräch zu kommen. „Ehrlichkeit ist dabei ganz entscheidend“, sagt Dr. Georg Heidemann. „Unternehmer sollten aussprechen, wie die Lage ist, und keine falschen Versprechungen machen.“ Dass dies keine leichte Aufgabe ist, versteht sich von selbst. Schließlich ist wohl jeder Arbeitgeber, dessen Firma von einer Insolvenz bedroht ist, auch mit den eigenen Sorgen beschäftigt. Wem es dabei aber gelingt, neben der krisenhaften Situation auch die Stärken des Betriebes zu sehen und zu kommunizieren, der hat viel erreicht: Er kann seinen Mitarbeitern Unsicherheiten nehmen und dafür sorgen, dass der Teamgeist gefördert und die Arbeitsleistung gesteigert wird. Auch dies können wichtige Schritte hinaus aus der Krise sein. Oft ist es auch sinnvoll, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter  bewusst mit einzubeziehen, indem man deren Ideen zur Bewältigung der Krise einholt. Auch das kann den Teamgeist fördern und zudem die Identifikation der Belegschaft mit dem Unternehmen steigern – selbst in schweren Zeiten. Und: Wer Mitarbeiter hat, die voll und ganz hinter ihrem Arbeitgeber stehen, wird womöglich selbst wiederum darin bestärkt, sich für die Rettung der Firma einzusetzen.

Eine offene Kommunikation und einen authentischen Umgang pflegen Georg Heidemann und Markus Küthe auch selbst: „Das fängt schon damit an, wie wir unseren Mandanten bei Terminen gegenübertreten. In vielen Fällen legen wir die Krawatte ab und krempeln buchstäblich die Ärmel hoch. So können wir glaubwürdig machen, dass wir mit anpacken und das jeweilige Unternehmen gut und sicher durch die Krise manövrieren.“



Autor: Elena Winter | Bilder: Unsplash/Bethany Legg, Unsplash/proxyclick

 
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„Wir haben den Nerv der Zeit getroffen.“