Vertrauen in die eigene Stärke

Was es heißt, unternehmerisch zu denken und zu handeln, wissen Dr. Georg Heidemann und Markus Küthe aus eigener Erfahrung. Im Interview berichten sie davon.

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Herr Dr. Heidemann, Herr Küthe, was zeichnet Ihrer Ansicht nach einen guten Unternehmer oder eine gute Unternehmerin aus?

Heidemann: Ein guter Unternehmer oder eine gute Unternehmerin ist vor allem eine besonnene, ruhige und kompetente Führungspersönlichkeit. Es ist jemand, der Stärke ausstrahlt – nach innen wie nach außen –, der strategisch denkt und entsprechende Maßnahmen ergreift und der in vielen dieser Eigenschaften ein Vorbild für seine Mitarbeiter ist. Neben diesen Soft Skills sind selbstverständlich, je nach Geschäftstätigkeit, entsprechende Fachkenntnisse notwendig. Im Arbeitsalltag eines Unternehmers treten diese aber häufig in den Hintergrund. Dann geht es in erster Linie darum, Menschen zu motivieren und zu führen.

Wie steht es mit der Fähigkeit, mit Krisen umzugehen? Und was bedeutet das im Einzelnen?

Küthe: Diese Fähigkeit gehört zum Unternehmertum ebenfalls zwingend dazu. Es gibt keinen reinen Sonnenschein-Unternehmer. Den kann es gar nicht geben, weil jedes Unternehmen auch mal schwierige Phasen erlebt. Das heißt, die Qualität eines Unternehmers und einer Unternehmerin, zeigt sich auch in Krisensituationen – dann vielleicht sogar ganz besonders. Wir haben allerdings im Laufe unseres Berufslebens schon häufig Geschäftsführer kennengelernt, denen genau diese Fähigkeit fehlte. Die also mit Krisensituationen überhaupt nicht oder nur sehr schlecht umgehen konnten und sich vor Schwierigkeiten buchstäblich „weggeduckt“ haben. Häufig macht sich das dadurch bemerkbar, dass man eine Konfrontation und damit unter Umständen auch unangenehme Gespräche scheut. Und hier brauchen wir gar nicht erst mit Themen wie Insolvenz anzufangen – denn Krisen können auch schon viel früher auftreten. Zum Beispiel im Umgang mit ausländischen Tochterfirmen oder in der Auseinandersetzung mit Banken oder Aktionären. Hier sprechen wir auch von Stakeholder-Krisen. Produkt- oder Ertragskrisen kommen ebenfalls vor. Sie sehen: Schwierige Unternehmensphasen kann es viele geben. Wer da immer nur nach der Schönwetterlage in seiner Firma Ausschau hält, ist als Unternehmer sicher nicht gut geeignet.

Sie beide haben schon vor Gründung Ihrer Kanzlei die Unternehmensseite kennengelernt: Sie, Herr Dr. Heidemann, waren zehn Jahre lang Geschäftsführer des Textilunternehmens Ihrer Familie. Sie, Herr Küthe, waren sechs Jahre lang Geschäftsführer einer Immobiliengesellschaft. Inwiefern haben Sie diese Stationen auf Ihre heutige Tätigkeit vorbereitet?

Heidemann: Unser Werdegang ist der Boden  für unsere heutige unternehmerische Tätigkeit. Bei mir kommt hinzu, dass ich damals bereits mit einer Krise konfrontiert wurde: Die Textilfirma meiner Familie, die ich viele Jahre erfolgreich und gerne geleitet hatte, musste 2007 wegen des Wegfalls einiger Großkunden Insolvenz beantragen. Diese Zeit hat mich stark geprägt. Das spüren unsere Mandanten selbstverständlich bis heute.

Wodurch zum Beispiel?

Heidemann: Wenn ich mit Mandanten etwa über ihre Schwierigkeiten bei der Krisenbewältigung spreche, zum Beispiel über die Kommunikation mit der Belegschaft, kann ich sagen: „Ich verstehe Sie, ich habe ein ähnliches Szenario selbst erlebt.“ Und das ist, denke ich, ein ganz entscheidender Punkt, warum viele sich uns anvertrauen: Wir wissen, was es bedeutet Unternehmer zu sein. Und wir wissen, was es bedeutet, durch Krisen zu gehen. Damit können wir unseren Mandanten authentisch und glaubwürdig gegenübertreten und ihnen praktikable Lösungen aufzeigen.

Küthe: Zudem sind wir es beispielsweise gewohnt, mit den Kunden und Lieferanten unserer Mandanten zu sprechen oder auch Betriebsversammlungen abzuhalten. Dabei gelingt es uns durch unsere vielfältigen eigenen Erfahrungen, auch Themen wie Restrukturierung und Insolvenz sehr sensibel in die Belegschaft hineinzutragen.

Im April 2021 sind Sie mit Ihrer Kanzlei gestartet. Was waren bisher besondere Erfolge und Herausforderungen für Sie?

Küthe: Ein großer Erfolg ist für uns natürlich, dass wir unsere Kanzlei bereits in kurzer Zeit so erfolgreich aufgestellt haben. Georg Heidemann und ich verstehen und ergänzen uns auf ideale Weise. Und wir werden unterstützt von einem tollen, kompetenten Team, mit dem es Spaß macht zusammenzuarbeiten. Es hätte also nicht besser laufen können! Herausfordernd ist – und das weiß wohl jeder, der im Projektgeschäft tätig ist –, dass das Arbeitspensum selten gleichbleibend ist. Stattdessen gibt es Zeiten, in denen es hochtourig zugeht, und andere, in denen es etwas ruhiger ist. In beiden Phasen braucht es Gelassenheit, Weitsicht und Vertrauen in die eigenen Stärken. Und die bringen wir als Unternehmer mit – jeder auf seine Weise.



Autor: Elena Winter | Bilder: Judith Wagner

 
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