Metaverse – Chance oder Risiko für Unternehmen?

Beim Thema Metaverse scheiden sich die Geister. Dabei sollten sich Unternehmen jetzt die Frage stellen, was das Thema Metaverse für sie bedeuten kann. Denn die Gestaltung dieser neuen Realität findet in der Gegenwart statt. Und genau das braucht vielfältige Akteure aus Wirtschaft und Gesellschaft, die sich offen mit dem Thema Metaverse auseinandersetzen.

 
 

Ein Metaversum oder engl. Metaverse ist ein digitaler Raum, der durch das Zusammenwirken virtueller, erweiterter und physischer Realität entsteht. Hauptaspekt ist es dabei die verschiedenen Handlungsräume des Internets zu einer Wirklichkeit zu vereinigen. Je nachdem, wen man fragt, existieren aktuell über einhundert Metaversen oder kein einziges. Fakt ist, dass bereits etliche Unternehmen in dem Bereich aktiv sind und sich neue Geschäftsfelder erschließen möchten. Und sich in noch mehr Unternehmen die Frage gestellt wird, welche Vorteile die Plattform bietet, welche Zielgruppenansprachen und Gestaltungsmöglichkeiten umsetzbar sind. Dabei ist diese Frage keineswegs nur für Marketingverantwortliche interessant, tun sich hier doch unter Umständen völlig neue Geschäftsmodelle auf. Aktuell werben vor allem Luxus-, Fashion- und Lifestylebrands im digitalen Paralleluniversum um die Gunst zukünftiger Käuferschaften. Dabei ist durchaus nicht ausgeschlossen, dass sich irgendwann zum Beispiel für den Mittelständler, der seine Produkte lediglich über B2B-Kanäle vertreibt, große Chancen im Metaversum auftun.

Aber Moment mal: Ist das Metaversum nicht eine Idee von ein paar verrückten Silicon Valley Enthusiasten? Hat nicht Marc Zuckerberg bereits 15 Milliarden US Dollar investiert? Mit dem überschaubaren Ergebnis von bisher gerade einmal 200.000 Usern?*

Ein Blick zurück hilft bei der Einordnung. 1995 saß Bill Gates bei David Letterman um ihm „the next big thing“ zu erklären: das Internet (hier ab circa Minute 3:00). Gates erntete jede Menge Spott für ein Netz, das nach allgemeiner Auffassung nicht mehr könne als TV, Radio oder Fax. „Wozu solle das nötig sein?“, lachte Letterman. Wer bis heute nicht aus dem Lachen herauskommt, ist bekanntermaßen Bill Gates. Das Problem ist, dass sich Menschen gerne im Gewohnten aufhalten und sich nichts wirklich Neues vorstellen können. Und so schreiten auch technische Entwicklungen nach immer gleichen Mustern voran. Das erste Auto war designed wie eine Kutsche. Erst mit dem Laufe der Zeit fand das Auto seine eigene Form. Auch das Internet brauchte Zeit, bis es sich von der Imitation konventioneller Medien löste und das Medium wurde, das es heute ist. Und erst dadurch seine disruptive Kraft entfaltete.

Das Metaversum ist eine Technik, die das Netz dezentraler und damit idealerweise demokratischer gestaltet, die Erlösmodelle in neuer Form möglich macht und in der Communities stärker und mächtiger wirken als bisher. Damit treibt das Metaverse eine Entwicklung voran, die schon das heutige Internet stark gemacht hat: Soziale Interaktion. Dass sich ein solch starker Ball am Rollen hindern lässt, kann man zumindest anzweifeln.

Wie sehr sich unser analoges und digitales Leben als Konsequenz dessen weiter mischen werden, ist noch nicht absehbar. Ob wir wirklich irgendwann mit Brillen durch die Straßen laufen, die uns mit Information versorgen, unterhalten oder weiterbilden? Auch das wäre eigentlich nur eine konsequente Weiterentwicklung unseres Lebens in den nächsten Jahren und Jahrzehnten. Denn wer kann noch wirklich von sich behaupten, dass digitales und analoges Leben streng getrennt sind? Längst stellt sich doch die Frage, ob man ein Foto vom Event postet, um das eigene Leben zu dokumentieren oder ob man am Event teilnimmt, um spannenden Content posten zu können. Und da macht es keinen Unterschied, ob es sich um einen Business-Kontext mit entsprechenden Social-Media Kanälen handelt oder um eine private Angelegenheit.

Doch zurück zur Frage: Welche Chancen bietet das Metaversum für Unternehmen? Eine Frage, die sich nicht allgemein beantworten lässt. Abgesehen davon, dass zum jetzigen Zeitpunkt noch viel Ungewissheit herrscht. Aber genau deshalb ist jetzt der richtige Zeitpunkt, sich mit dem Thema auseinander zu setzen. Denn noch gibt es Gestaltungsspielraum, der gefüllt werden will. Da spielen Fragen der Ökonomie und Ethik eine Rolle. Und auch im juristischen Zusammenhang gibt es Klärungsbedarf: Welches Recht gilt im virtuellen Raum? Gilt nationales, internationales oder supranationales Recht? Ist der virtuelle Raum gar rechtsfrei oder selbstreguliert? Nach welchen Standards wird agiert? Wie können Rechts durchgesetzt werden? Wenn ja, wo: im analogen Leben oder im Metaverse? Wie können Daten und Privatsphäre geschützt werden? Wo fallen Steuern an?

Noch existieren mehr Fragen als Antworten. Das Metaverse ist ein Ort der Gemeinschaft. Im Idealfall legen Communities die Spielregeln fest statt eines einzelnen Konzerns. Und genau das braucht vielfältige Akteure aus Wirtschaft und Gesellschaft, die sich offen mit dem Thema Metaverse auseinandersetzen.

Quelle brandeins 12/2022 | Bild: iStock

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