“I am the Greatest”

Muhammad Ali war ein Star weit über die Box- oder Sportwelt hinaus. Vielmehr ein Superstar, zu dem man in vielen Bereichen der Popkultur Referenzen findet. Worin lag seine Stärke?

 

„Man, he was strong.“, sagte Jimmy über Muhammad Ali. Jimmy war sein Cut Man, also derjenige, der bei Kämpfen seine Wunden mit Wattestäbchen und Salbe versorgte. Der ihn im Kampf aus nächster Nähe sah, wenn sein Gesicht von Schlägen demoliert war. Muhammad Ali, der einzige Athlet, der dreimal Weltmeister aller Boxverbände wurde. Eine Legende.

Seine körperliche Kraft war dabei im Vergleich zu anderen Schwergewichten gar nicht herausragend. Was ihn auszeichnete war seine mentale Stärke.

Geboren wurde er als Cassius Clay, Sohn eines Schildermalers, der aus einfachen, aber behüteten Verhältnissen stammte. Später legte er den Namen ab – ein Sklavenname, wie er sagte. Zunächst wurde er bekannt durch seine große Klappe. "This guy must be done, I'll stop him in one.", spottete er vor einem seiner ersten Kämpfe. Ernst genommen wurde er damit von Presse und Publikum nicht. Doch er bewies schnell das Gegenteil – auf 61 Kämpfe seiner Karriere kommen 56 Siege, 37 davon durch k.o.. Den ersten Weltmeistertitel gewann er 1964 als Außenseiter gegen den als unbesiegbar geltenden Sonny Liston. „I am the greatest!“ brüllt er im Anschluss in die Mikrophone. Ein Satz, der so bezeichnend für ihn ist, dass er Titel zahlloser Artikel und einer Dokumentationen über sein Leben ist. Dieses gigantische Selbstbewusstsein, verbunden mit Schlagfertigkeit und Humor hat sein Image geprägt. Mit seinen Reimen, die er in einer Art Sprechgesang vortrug, kann man ihn als einen der Wegbereiter des Rap bezeichnen.

„I am America. I am the part you won’t recognize. But get used to me. Black, confident, cocky, my name, not yours; my religion, not yours; my goals, not yours, my own. Get used to me.” Er drückte eine Haltung aus, die im von Rassismus geprägten Amerika der 60er Jahre ein Statement gegen das Establishment war. Mit seinen Reimen artikulierte er damals, was heute im Hiphop noch aktuell ist: Stolz, die eigene Größe, das Dissen von Kontrahenten und gesellschaftlicher Kommentar.

Wie sehr er seine eigenen Werte auch gegen Widerstände durchsetzen würde, demonstrierte er mit der Verweigerung des Kriegsdienstes: „Keep asking me, no matter how long, on the war in Vietnam, I sing this song: I ain’t got no quarrel with them Vietcong.“ Das brachte ihm fünf Jahre Haft ein. Seine Haltung blieb. Das Urteil wurde zwar später aufgehoben, jedoch wurden ihm Weltmeistertitel und Boxlizenz entzogen. Mit diesem Opfer trat er für seine Werte ein, setzte in der Blüte seiner Karriere drei Jahre aus und verzichtete so auf Millionen von Dollars. Spätestens jetzt umgab ihn der Glanz eines Helden.

Sein erster Kampf nach der Rückkehr in den Ring war eine Niederlage gegen Joe Frazier. Sein Selbstbewusstsein verlor Ali zu keiner Zeit, auch nicht vor seinem nächsten großen Kampf um die Weltmeisterschaft. „Last week I’ve murdered a rock, injured a stone and hospitalized a brick. I’m so mean I make medicine sick. Last night I cut the light off in my bedroom, hit the switch and was in bed before the room was dark.”, protzte Ali in der Pressekonferenz vor dem Kampf “Rumble in the jungle”.

Im Ring setzte Ali zunächst auf seinen üblichen, tänzelnden Stil, mit dem er den Schlägen seines Gegners auswich. Jedoch ermüdete er schnell und änderte daraufhin die Taktik. Er lehnte sich in die Seile und vergrößerte dadurch die Distanz zu Foremans Fäusten. Eine Technik, die später den Namen Rope-a-dope erhielt. Er hatte Schnelligkeit eingebüßt, erkannte dies, handelte deshalb abwartend und war dadurch stärker denn je. Muhammad Ali gewann den Titel entgegen dem ungeschriebenen Gesetz „They never come back.“.

Er gilt als vielleicht größter Sportler der Geschichte. Und doch wird es irgendwann ruhig um den Mann, der das Publikum so liebte. Der in den „Ali, Ali“-Rufen badete und auch dann noch in den Ring stieg, als Schnelligkeit und Kraft ihn verließen. Parkinson prägte das spätere Leben des Ausnahmesportlers. Dem Mann, der mit Saddam Hussein verhandelte und so die Freilassung von 15 Geiseln erwirkte. Der Mann, der zum Friedensbotschafter der Vereinten Nationen ernannt wurde. Und das Idol für Schwarze und Weisse, Sportler, Muslime, Kriegsdienstverweigerer, Hippies und Hiphopper war. Der Mann, dessen Stern am Walk of Fame in L.A. als einzigem unter 2.500 Superstars in der Wand, statt am Boden, eingelassen ist. Denn er wollte nicht, dass Menschen, die keinen Respekt vor ihm haben, auf seinem Namen herumtrampeln. Sicherlich hatte „America’s greatest Ego“ auch seine Fehler: Er betrog seine drei Ehefrauen, sah seine Kinder nur sporadisch, verspottete seine Gegner. Die Zeit wirft ein mildes Licht auf schattigere Seiten der Legende und menschliches Straucheln erhöht die Identifikationsfläche.

„Der Größte“, an den schon lange keiner mehr gedacht hatte, hatte 1996 ein allerletztes Comeback. Nicht im Ring, sondern auf nichts Geringerem als der Weltbühne. Von seiner Krankheit stark gezeichnet tritt der ältere, schwarze Mann ins Scheinwerferlicht des Olympiastadions in Atlanta und übernimmt die Fackel von der Schwimmerin Janet Evans. Mit der rechten Hand greift er die Fackel, die Krankheit lässt seine linke stark zittern. „Ali, Ali“ ruft das Publikum noch einmal. Und die Tränen, die in dem Moment fließen sind ungezählt. Kameras halten die feuchten Augen des damaligen US-Präsidenten Bill Clinton fest. Er wird später die Grabrede auf der Beerdigung Muhammad Alis halten.

Muhammad Alis Geschichte erzählt vom Aufstieg gegen alle Widrigkeiten, dem Mut seine Werte zu vertreten, der Kraft, die entsteht, wenn man seine eigenen Schwächen kennt und nach einer Niederlage wieder aufsteht. Und davon, wie man den Herausforderungen des Lebens mit Humor begegnet.

Quelle Titelbild: unsplash; Bild unten: pixabay

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